Thomas C. Schelling: Ein Nachruf und eine Würdigung

Verfasst von Gustav Feichtinger, 6.2.2017

Am 13. Dezember 2016 ist Thomas Crombie Schelling im Alter von 95 gestorben. Der US-amerikanische Ökonom war emeritierter Distinguished Professor für Außenpolitik, nationale Sicherheit, nukleare Strategie und Rüstungskontrolle an der University of Maryland. 2005 erhielt er den Nobelpreis in Ökonomie.

Es ist etwa zwanzig Jahre her, dass ich Tom Schelling zum ersten Mal begegnet bin. Damals war Peter de Janosi Direktor am IIASA (International Institute for Applied Systems Analysis im Schloss Laxenburg bei Wien), und wir bereiteten ein Programm zur Belebung der mathematischen Ökonomie an diesem Institut vor. Meine Aufgabe bestand darin, künftige aussichtsreiche Forschungsrichtungen im Bereich der Wirtschaftstheorie und Systemtheorie namhaft zu machen. Neben einigen anderen Ökonomen schlug ich dem Direktor vor, Thomas Schelling ans IIASA einzuladen. Ich erinnere mich noch gut daran, dass de Janosi mich daraufhin zu einem kleinen Zimmer unweit seines prunkvollen Büros führte. Darin saß – Tom Schelling!

Bereits seit mehreren Jahren verbrachte er jeden Sommer einige Wochen im Schloss Laxenburg. Die Bedingungen in der ehemaligen Habsburger-Residenz – die stimulierende Atmosphäre, die reichhaltige Bibliothek sowie die ausgedehnten Parkanlagen – boten dem späteren Nobelpreisträger für Wirtschafts-wissenschaften ein ausgezeichnetes Umfeld, um seinen bahnbrechenden Gedanken nachzugehen. Intern wird Schelling wohl mit anderen Wissenschaftlern am IIASA diskutiert haben – aber nach außen ist er in all den Jahren nie aufgetreten, etwa in Form öffentlich zugänglicher Vorträge.

Ich habe damals die Chance wahrgenommen, mit dem Starökonomen zu diskutieren. Egon Matzner und Helmut Frisch, zwei meiner Kollegen an der TU Wien, hatten mich auf sein bereits 1978 erschienenes Buch ‚Micromotives and Macrobehavior‘ hingewiesen, in dem ein innovativer Zugang zu Gebieten der Ökonomie eingeschlagen wird. Nach eineinhalb Stunden war Schluss mit meiner Fragerei. Ich wurde von Tom höflich, aber bestimmt hinaus komplimentiert. (Er sei zum Nachdenken hierher gekommen und nicht zum Diskutieren.)

Für mich wurde das Gespräch mit ihm zu einer Art Schlüsselerlebnis. Schlagartig verstärkte sich mein Eindruck, wie wesentlich seine Ideen über soziale Interaktionen nicht nur für die Wirtschaftswissenschaften, sondern auch fürs Operations Research waren und sind. Im Kern handelt es sich um eine einfache Tatsache: das Verhalten individueller Entscheidungsträger wird von jenem ihres Umfeldes, genauer: von einer Referenzgruppe, beeinflusst. Dieser Ansatz kann zu mehrfachen Gleichgewichten führen, deren Einzugsbe-reiche durch Schwellen, sogenannten ‚tipping points‘ getrennt werden. Vergleiche dazu die Anekdotensammlung Gladwell (2000).

Schelling hat auf einen wichtigen Aspekt der Sozialwissenschaften hingewiesen: die Makroebene beeinflusst das Mikroverhalten. Die Planung effizienter Entscheidungen hat diese Tatsache zu berücksichtigen. Die folgende Illustration beruht auf einem wichtigen Forschungsgebiet des späteren Nobelpreisträgers: seinem berühmten Segregationsmodell (Schelling, 1971). Wenn zu viele Menschen unterschiedlicher Hautfarbe in einen von weißen Familien bewohnten Stadtteil ziehen, ergreifen diese die ‚Flucht‘. Dabei wird unterstellt, dass eine Verteilung von Toleranzschwellen gegenüber anderen Ethnien existiert, oberhalb derer bestimmte Familien abwandern. Schon relativ kleine Abneigungen gegenüber anderen Gruppierungen können zur Segregation, zum ethnischen `Kippen´ von Stadtvierteln und zur Gettobildung führen.

Die von der ORCOS-Gruppe (Operations Research and Control Systems, Forschungsgruppe an der TU Wien) vorgeschlagene Erweiterung von Tom Schellings Ansatz auf dynamische Optimierung manifestiert die Relevanz seiner Ideen fürs OR sozusagen in Reinkultur. ‚Placing the poor while keeping the rich in their place: separating strategies for optimally managing residential mobility and assimilation‘ fasst der Titel der Arbeit die wesentlichen Punkte zusammen (Caulkins et al. 2005). Ein zentrales Ziel der US-Politik zur Armutsbekämpfung war das ‚housing mobility program‘. Dabei geht es um die Ansiedlung armer Familien in der Nachbarschaft von Mittelklasse-Familien mit der Absicht, die Unterprivilegierten in die Mittelklasse zu assimilieren. Eine zu aggressive Verfolgung dieses Zieles führt allerdings zu einer Abwanderung letzterer. Da diese aber wesentlich zum Steueraufkommen der Region beitragen, ist dies nicht wünschenswert. Geht man andererseits zu vorsichtig vor, können nur wenige Arme assimiliert werden. Das stilisierte intertemporale Optimierungsmodell bildet dieses Entscheidungsdilemma ab. Zwei Arten von Externalitäten bestimmen das Modell:

  • eine negative Externalität, bei der zu viele Arme in der Nachbarschaft zum Wegzug der Wohlhabenderen führen, und
  • eine positive Externalität, durch welche Unterprivilegierte in die Mittelklasse aufsteigen.

In diesem Spannungsfeld kommt es zu interessanten Resultaten. Für gewisse Parameterkonstellationen konvergiert das System gegen ein eindeutiges, inneres Gleichgewicht, das unweit vom stationären Zustand des unkontrollierten Systems liegt. Andererseits gibt es auch Fälle, in denen multiple Gleichgewichte auftreten. Langfristig erweist sich dabei eine Polarisierung, also die Formation von Gettos als optimal. Welches der Randgleichgewichte angesteuert wird, hängt von den Anfangsbedingungen ab. Der Prozentsatz der Mittelklasse-Bevölkerung weist einen ‚tipping point‘ auf, bei dem das Systemverhalten kippt. Oberhalb dieses Schwellwertes entsteht langfristig ein reines Mittelstandsgebiet, während schon eine geringe Abweichung unterhalb des Kipppunktes auf ein Armen-Getto führt. Auf diese Weise lässt sich die ‚Tragfähigkeit‘ (carrying capacity) einer Region abschätzen, d.h., wie viele arme Familien verkraftbar sind.

Ein anderes Anwendungsfeld von Schellings Gedankengut liegt in der Kontrolle abweichenden Verhaltens, etwa der Korruption. Während in obigem Segregationsbeispiel jeder Agent entweder unterprivilegiert oder zur Mittelklasse gehörig (schwarz bzw. weiß im ursprünglichen Ansatz), d.h. ein fixes Merkmal aufweist, obliegt es nun der Entscheidung jedes Agenten, ob er korrupt oder nicht ist bzw. bis zu welchem Grad. Andvig (1991) betrachtet den Fall binärer Entscheidungen, nämlich entweder völlig oder überhaupt nicht korrupt zu sein. Indem er sich auf Schelling (1973) bezieht (vergleiche auch Schelling 1978, Chap. 7), unterstellt er ein Diagramm von Nutzenfunktionen der Agenten, deren Wert nicht nur von deren individueller Entscheidung sondern auch vom Anteil der korrupten Individuen in der Referenzgruppe abhängt; siehe Andvig (1991, S. 71)

Caulkins et al. (2014) haben Andvig in einigen Dimensionen erweitert und präzisiert. Anstelle eine binären Korruptionsentscheidung lassen sie ein kontinuierliches Spektrum an Korruptionsintensitäten (‚degree of corruption‘) zu. Im Unterschied zu Andvig bieten sie eine explizite dynamische Analyse. Der interessanteste Fall bei Caulkins et al. ist jener, bei dem es zwei Randgleichgewichte gibt: langfristig sind die identischen Individuen entweder alle korrupt, oder alle sind ‚clean‘. Unter bestimmten Voraussetzungen hängt es dabei ausschließlich vom Korruptionsgrad in der Ausgangssituation ab, zu welchen dieser beiden stationären Randzustände das System konvergiert. Die Situation kann noch komplizierter werden, denn beide Endergebnisse (niedrige oder hohe Korruption) können nicht nur vom Ausgangszustand, sondern auch von der Erwartungshaltung smarter Agenten abhängen, was nach Koordination verlangt, um eines der Randgleichgewichte zu erreichen. Dies ist wiederum ein Punkt, den Schelling im Zusammenhang mit multiplen (statischen) Gleichgewichten erwähnt, allerdings mit dem Zusatz, dass es unter den vielen Gleichgewichten oft ein besonderes gibt, den sogenannten `focal point´. Ein solcher existiert im Modell des zitierten Paper allerdings nicht.

Dies ist ein ungewöhnlicher Nachruf. Es geht hier darum, die außergewöhnlichen Leistungen Tom Schellings in Bereich sozialer Interaktionen zu würdigen. Natürlich hat er auch andere bahnbrechende Forschungen im Bereich der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften getätigt. Den Ökonomie-Nobelpreis erhielt er für seine spieltheoretischen Analysen von Konflikten. Ohne in der Spieltheorie besonders bewandert zu sein, beschäftigte er sich schon früh mit strategischen nuklearen Drohungen in Verhandlungen, Fragen der gegenseitigen Abschreckung und dem ‚Gleichgewicht des Schreckens‘. Sein 1960 erschienenes Buch ‚The Strategy of Conflict‘ wurde zum Standardwerk des militärischen OR. Die Anwendungen von Schellings Überlegungen liegen nicht nur in der Gestaltung von Verhandlungen zwischen den Supermächten, sondern auch zwischen Erpressern und deren Opfern, Unternehmern und Beschäftigten u.a.m.; vergleiche auch Schelling (1961).

Eines seiner Resultate besteht in der Stärkung der Verhandlungsposition durch Einschränkung von Optionen. Vor einem halben Jahrhundert hat Schelling Stanley Kubrick bei der Konzeption seines Films ‚Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben‘ beraten, mehr noch, er hat ihn auf die Idee dazu gebracht. Welcher berühmte Ökonom, geschweige denn Nobelpreisträger, kann so etwas schon von sich sagen?

Während der Griechenlandkrise hat damalige Finanzminister und Spieltheoretiker Varoufakis eine Brinkmanship-Strategie verfolgt, die eine große Rolle im Rahmen der Abschreckung im Kalten Krieg spielte und von Schelling (1960) in seinem Buch ‚The Strategy of Conflict‘ beschrieben wird. Dixit and Skeath (1999) diskutieren diese Strategie ebenfalls ausführlich. Hier bringt ein Spieler einen anderen an den Rand des Abgrunds in der Erwartung, dass der andere bereits vorher aufgibt. Dies war auch das (mehr oder weniger) korrekte Gefühl von Varoufakis, dass die EU um allen Preis den Euro retten will. Wie die meisten Eltern wissen, Kinder sind (nach Schelling) darin Experten.

Gegen Ende seiner Karriere beschäftigte er sich dann mit der Analyse von Suchtverhalten. Dabei untersuchte er die Selbstbindungen, mit denen man sich Rauchen und Trinken abgewöhnen könne. Die Breite seiner Forschungsthemen illustriert auch der Aufsatz Schelling (1968), in dem er über den statistischen Wert eines Lebens spekuliert. Feichtinger et al. (2011) haben gezeigt, dass dieser `value of life´ in natürlicher Weise als Teil des Schattenpreises eines alters-strukturierten `optimal control´ Modells auftritt.
Mit Thomas Schelling ist ein außergewöhnlicher und scharfer Denker von uns gegangen. Bereits Jahrzehnte vor dem Aufkommen nichtlinearer dynamischer Systeme in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften hat er Grundlegendes im Bereich sozialer Interaktionen, mehrfacher Gleichgewichte und von Kipppunkten (sogenannten Skiba-Schwellen im Bereich der dynamischen Optimierung) aufgedeckt. Der an zusätzlichen Details interessierte Leser sei in diesem Zusammenhang auf die Monographie Grass et al. (2008) verwiesen. Mit Bifurkationstheorie und Kontrollmodellen hat sich Schelling konkret nicht auseinandergesetzt. Aber seine Arbeiten tragen dem Keim für vielfältige einschlägige Anwendungen in sich. In diesem Sinn kann er wohl mit dem berühmten österreichisch-deutsch-amerikanischen Ökonomen Joseph Schumpeter verglichen werden. Dieser hat – gemäß eigener Aussage – zu wenig höhere Mathematik beherrscht, um seine Ideen damit zu untermauern.

Seine Nachfolger, allen voran Paul A. Samuelson, haben sich dann dieser Aufgabe reichlich gewidmet. Ähnlich wie Schumpeter haben Schellings Ideen eine Mathematisierung der Ökonomie eingeleitet. Pfadabhängigkeit optimaler Trajektorien und das für nichtlineare dynamische Systeme symptomatische Kippverhalten – zentral für die intertemporale Optimierung – zählen zum Vermächtnis des Verstorbenen fürs Operations Research.

DANKSAGUNG

Bei der Vorbereitung dieses Artikels haben mich folgende KollegInnen unterstützt: F.X. Hof, A. Fuernkranz-Prskawetz, A. Seidl, R. Kovacevic, F. Wirl, S. Wrzaczek. Hof und Wirl haben mir geholfen, den Zusammenhang der Papiere von Andvig (1991) und Caulkins et al. (2014) mit Tom Schellings Ansätzen zu klären. Pavel Kabat, der IIASA-Direktor, war großzügig genug, Fotos des Nobelpreisträgers zur Verfügung zu stellen. Ihnen allen sei für diese Hilfe gedankt.

LITERATURHINWEISE

Andvig Jens Chr. (1991): The economics of corruption. A Survey. Studi Economici 43 (1), 57 – 94.

Akerlof George A. (1980): A theory of social custom, of which unemployment may be one consequence. Quarterly Journal of Economics 94, 749 – 775.

Caulkins Jonathan P., Feichtinger Gustav, Grass Dieter, Johnson Michael, Tragler Gernot, Yegorov Yuri (2005): Placing the poor while keeping the rich in their place: Separating strategies for optimally managing residential mobility and assimilation. Demographic Research 13 (1), 1 – 34.

Caulkins Jonathan P., Feichtinger Gustav, Grass Dieter, Hartl Richard F., Kort Peter M., Novak Andreas J., Seidl Andrea, Wirl Franz (2014): A Dynamic Analysis of Schelling´s Binary Corruption Model: A Competitive Equilibrium Approach. Journal of Optimization Theory and Applications 161 (2), 608 – 625.

Dixit, Avinash K., Skeath Susan, S. (1999): Games of Strategy; W.W Norton & Comp., Inc., New York.

Feichtinger Gustav, Kuhn Michael, Prskawetz Alexia, Wrzaczek Stefan (2011): The reproductive value as part of the shadow price of population, Demographic Research 24, Article 28, (Formal relationships 14), 709 – 718.

Gladwell Malcolm (2002): Tipping Point. Wie kleine Dinge Großes bewirken können. Goldmann, München.

Grass Dieter, Caulkins Jonathan P., Feichtinger Gustav, Tragler Gernot, Behrens Doris A. (2008): Optimal Control of Nonlinear Processes. With Applications in Drugs, Corruption, and Terror. Springer, Heidelberg.

Schelling Thomas C. (1960): The Strategy of Conflict. With a Preface by the author. Harvard University Press, Camebridge, MA.

Schelling Thomas C. (1961): The future of arms control. Operations Research, Vol. 9 (5), 722 – 731.

Schelling Thomas C. (1968): The life you save may be your own. In: Chase, S.B. (ed.) Problems in public expenditures analysis. The Brooking Institution, Washington D.C.

Schelling Thomas C. (1971): Dynamic Models of segregation. Journal of Mathematical Sociology 1 (2), 143 – 186.

Schelling Thomas C. (1973): Hockey helmets, concealed weapons, and daylight saving: A study of binary choices with externalties. The Journal of Conflict Resolution 17 (3), 381 – 428.

Schelling Thomas C. (1978): Micromotives and Macrobehavior. W. W. Norton, New York.

Schlicht Ekkehart (1981): Reference group behaviour and economic incentives: A remark. Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft, 125 – 127.

Wrzaczek Stefan, Kuhn Michael, Prskawetz Alexia, Feichtinger Gustav (2010): The Reproductive Value in Distributed Optimal Control Models, Theoretical Population Biology 77, 164-

Thomas C. Schelling

Advertisements

4th Alpen-Adria-Workshop on Optimization / 60. Geburtstag von Franz Rendl

Vom 4. bis 6. November 2016 fand an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (AAU) die bereits 4. Veranstaltung aus der Reihe „Alpen-Adria-Workshop on Optimization“ statt. Obwohl von der Jahreszeit her unattraktiver als der traditionelle Frühlingstermin, fanden sich mehr Vortragende und interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein denn je. In den Mittelpunkt dieses Workshops wurde nämlich der 60. Geburtstag von Franz Rendl gerückt (dankenswerterweise lies der Jubilar dies zu).

Das Programm umfasste 18 Fachvorträge aus Bereichen der kombinatorischen, der nichtlinearen und der semidefiniten Optimierung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus Übersee (Henry Wolkowicz, Jon Lee, Kurt Anstreicher, Miguel F. Anjos, Sam Burer, Tamas Terlaky) sowie aus dem naheliegenden Graz (Bettina Klinz, Eranda Dragoti-Cela, Joachim Schauer, Rainer Burkard, Ulrich Pferschy). Es kamen Kolleginnen und Kollegen aus dem europäischen Raum (Christoph Helmberg, Francesco Silvestri, Igor Dukanovic, Janez Povh, Marianna De Santis, Michael Jünger, Monique Laurent, Renata Sotirov) und es gab natürlich eine starke lokale Beteiligung (Angelika Wiegele, Anna Jellen, Christian Truden, Elisabeth Gaar, Gerald Gruber, Kerstin Maier, Malwina Duda, Philipp Hungerländer).

Die Fachvorträge füllten den Vormittag des 4. November sowie den 5. November. Der Nachmittag des 4. November war für das Festkolloquium reserviert. Neben den Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmern konnten wir beim Festkolloquium die Familie von Franz Rendl und zahlreiche weitere Kolleginnen und Kollegen der AAU begrüßen. Das Festkolloquium wurde durch Vizerektor Martin Hitz und dem Dekan der Fakultät für Technische Wissenschaften, Gerhard Friedrich, eröffnet. Beide betonten in ihren Ansprachen, wie sehr sie den Wissenschaftler und Kollegen Franz Rendl schätzen. Einen aufschlussreichen Einblick in eine Zeit, in der die meisten unter uns Franz Rendl noch nicht kannten, gab uns Franz‘ Doktorvater Friedwin Sturm von der Montanuniversität Leoben. „Franz Rendl, der Doktorand“, so der Titel seines interessanten und amüsanten Vortrages, in dem – selbst für Franz – bislang unbekannte Publikationen mit Franz‘ Koautorenschaft auftauchten. „Franz, the mathematician“ war sowohl der Titel des Vortrages von Henry Wolkowicz („a co-author’s view“) als auch von Jon Lee („an external perspective“). Henry Wolkowicz zählt zu den frühesten wissenschaftlichen Weggefährten von Franz, aber auch viel Privates verbindet sie, wie man anhand zahlreicher lustiger Anekdoten in seinem Vortrag erfahren konnte. Jon Lee hat zwar mit Franz gemeinsam das eine und andere Optimierungsproblem betrachtet, eine gemeinsame Publikation der beiden gibt es jedoch nicht. Auf vergnügliche Weise hat Jon Lee in einem unterhaltsamen Vortrag pointiert seine Sicht auf die Arbeit von Franz Rendl dargelegt. Soviel wurde in diesem Hörsaal der AAU wohl noch nie gelacht! „Franz, the supervisor“ hieß dann der letzte Vortrag im Rahmen des Festkolloquiums. Angelika Wiegele hielt eine Rück- und Vorschau auf die Themen, die Franz Rendl mit seinen Doktorandinnen und Doktoranden bearbeitet hat bzw. bearbeitet. Auch in diesem Vortrag wurde auf so manche Eigenschaft von Franz Rendl augenzwinkernd hingewiesen, vor allem aber die Dankbarkeit aller, die mit Franz arbeiten durften, zum Ausdruck gebracht. Für Auflockerung zwischen den Vorträgen durch musikalische Darbietungen sorgte der Klagenfurter Jazzpianist Fabian Mang.

Der Workshop fand am Sonntag, den 6. November bei einer kleinen Kreuzberglwanderung und einem Altstadtspaziergang durch Klagenfurt seinen Ausklang. (Leider lies das trübe Novemberwetter keine ordentliche Franz-Wanderung zu.)

Für die freundliche finanzielle Unterstützung, die uns die Abhaltung des Workshops und des Festkolloquiums in dieser Form möglich machte, danken wir der Stadt Klagenfurt, der Firma Satalia, dem Förderverein der Technischen Fakultät sowie der ÖGOR.

Mehr Informationen zum Workshop, das Programm zum Festkolloquium und das Vortragsprogramm finden sich unter http://aawo2016.aau.at/. Fotos vom Festkolloquium und vom Sonntagsspaziergang können unter https://seafile.aau.at/d/784b051d94/ eingesehen werden.

Erste Reihe links: Andrea Rendl (Tochter von Franz), Eva Rendl (Gattin von Franz), Franz Rendl, Friedwin Sturm (Doktorvater von Franz)
Erste Reihe links: Andrea Rendl (Tochter von Franz), Eva Rendl (Gattin von Franz), Franz
Rendl, Friedwin Sturm (Doktorvater von Franz)
Friedwin Sturm von der Montanuniversität Leoben bei seiner Rede
Friedwin Sturm von der Montanuniversität Leoben bei seiner Rede
Bildmitte: Dekan Gerhard Friedrich und Vizerektor Martin Hitz
Bildmitte: Dekan Gerhard Friedrich und Vizerektor Martin Hitz
Aus dem Vortrag von Jon Lee
Aus dem Vortrag von Jon Lee

Workshop der ÖGOR-Arbeitsgruppe „Operations Research im Gesundheitswesen“ 2016

Am Freitag, den 16. September 2016, veranstalteten die OEGOR-Arbeitsgruppe (AG) ‚Operations Research (OR) im Gesundheitswesen‘ und die „Austrian Health Economics Association“ (ATHEA) wieder gemeinsam einen Workshop, um die wissenschaftliche Vernetzung im Bereich der Gesundheitsökonomie in Österreich zu fördern. Die Tagung fand auf Einladung des Instituts für Finanzwirtschaft an der Karl-Franzens Universität statt.

Nach einer kurzen Begrüßung seitens der ATHEA, vertreten durch Herrn Dr. Thomas Czypionka und Herrn Dr. Markus Kraus, und der OEGOR AG OR im Gesundheitswesen, vertreten durch Frau ao. Univ.-.Prof. Dr. Marion Rauner und Frau Univ.-Prof. Dr. Margit Sommersguter-Reichmann stellte Frau ao. Univ.-Prof. Dr. Margit Sommersguter-Reichmann das Programm des Herbstreffens vor, das aus drei Vorträgen bestand:

Im Rahmen des ersten Vortrags präsentierte Herr Prof. Wolfgang Rohrbach seinen Beitrag mit dem Titel „Konzepte künftiger privater Pflegeversicherungen“. Zu Beginn des Vortrags wurden einige Eckdaten zum Pflegebereich in Österreich vorgestellt. Für die derzeit etwa 453.000 Pflegefälle stehen rund 800 private Agenturen und fünf non-profit Organisationen zur Verfügung. Beim derzeitigen Stand ist für Pflegebedürftige eine 24-Stunden-Pflege kaum mehr gewährleistet. Bzgl. der Anforderungen an ein privates Pflegeversicherungsmodell wurden Aspekte, die über die derzeit hauptsächlich bestehenden Geldleistungen hinausgehen, wie etwa der Bau seniorengerechter Wohnungen, generationenübergreifendes Wohnen, aber auch das Konzept e-health im Sinne digitaler Pflege intensiv diskutiert. Ebenso wurde auf die Notwendigkeit einer kombinierten sozialen Kranken- und Pflegeversicherung eingegangen.

health1
Im Zuge des zweiten Vortrags mit dem Titel ‚Finanzströme spiegeln die Gesellschaft wider – finanzielle und personelle Ressourcen der Psychiatrie in Wien zwischen 1946 und 1970‘ präsentierte Herr Professor Schäfer die Ergebnisse einer Untersuchung betreffend die personellen (gemessen als Pflegetage pro Personal) und finanziellen (gemessen als Ausgaben der Stadt Wien pro Pflegtag) Ressourcen von psychiatrischen im Vergleich zu jenen von somatischen Einrichtungen in Wien. Dabei hat sich gezeigt, dass die psychiatrischen Einrichtungen sowohl finanziell als auch personell schlechter als die übrigen medizinischen Disziplinen ausgestattet waren. Lt. einer aktuellen Studie sind psychiatrische Einrichtungen personell auch gegenwärtig immer noch schlechter gestellt als Einrichtungen anderer medizinischer Fachrichtungen.

health2
Im Rahmen des dritten Vortrags mit dem Titel „How Physicians Affect Patients’ Employment Outcomes Through Deciding on Sick Leave Durations“ präsentierte Herr Mag. Alexander Ahammer die Ergebnisse einer Untersuchung, ob das ‚Verschreibungsverhalten‘ von Ärzten im Hinblick auf die Krankenstanddauer einen Einfluss auf die Beschäftigung ihrer Patienten hat. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass durch einen zusätzlichen, angebotsseitig verordneten Krankenstandtag die Beschäftigungswahrscheinlichkeit zwischen 0,45 und 0,69 Prozentpunkte sinkt, während die Wahrscheinlichkeit für Arbeitslosigkeit zwischen 0,28–0,44 Prozentpunkte steigt. Signifikant stärker waren die Effekte für männliche Arbeitnehmer, Arbeitnehmer mit kurzer Beschäftigungsdauer und Migranten.

health3
Abschließend informierte Herr Dr. Czypionka im Zuge der Diskussion interner Belange der ATHEA über eine geplante online-Umfrage betreffend Intervall und damit Zeitpunkt der dritten ATHEA Konferenz. Nach einer kurzen Diskussion wurde vereinbart, in Rahmen dieser Umfrage auch bzgl. des nächsten Veranstaltungsortes für den gemeinsamen Workshop von ATHEA und OEGOR abstimmen zu lassen. Frau ao. Univ.-Prof. Marion Rauner informierte, dass eine Umbenennung der AG ‚OR im Gesundheitswesen‘ in ‚OR in Health Care and Disaster Management‘ geplant ist. Im Anschluss dankte Frau ao. Univ.-Prof. Margit Sommersguter-Reichmann den Teilnehmer/inne/n und Vortragenden für ihr Kommen und die fruchtbaren Diskussionen bei jedem einzelnen Vortrag. Der Workshop klang im Rahmen eines gemütlichen Abendessens an der Südsteirischen Weinstraße aus.

5. EULOG Workshops zu Ehren des 60. Geburtstags von Richard F. Hartl

Anlässlich des 60. Geburtstags trafen sich Kollegen und Freunde von Prof. Richard F. Hartl im Rahmen des 5. EULOG Workshops vom 14. bis 16. September 2016 in der Sky Lounge der Universität Wien. Entsprechend der Forschungsschwerpunkte des Jubilars war der Workshop in zwei Teile gegliedert; während im ersten Teil verschiedene Anwendungen der Kontrolltheorie diskutiert wurden, war der zweite Teil Problemstellungen im Bereich der Produktion und Logistik gewidmet. Insgesamt umfasste der Workshop 30 wissenschaftliche Vorträge, die Plenarvorträge wurden von Prof. Peter Kort (Tilburg University), Prof. Suresh P. Sethi (The University of Texas at Dallas), Prof. Michel Gendreau (Ecole Polytechnique de Montreal) und Prof. Martin Savelsbergh (Georgia Institute of Technology) gehalten.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den scheidenden Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Wien, Prof. Oliver Fabel, den Institutsvorstand des Instituts für Betriebswirtschaftslehre, Prof. Otto Altenburger, ÖGOR Präsident Prof. Marc Reimann (Universität Graz) und durch em. Prof. Gustav Feichtinger von der Technischen Universität Wien. Die Eröffnungsredner brachten hierbei ihre Wertschätzung von Prof. Hartl als Wissenschaftler und als Person zum Ausdruck. Besonders hervorgehoben wurden neben den wissenschaftlichen Leistungen des Jubilars sein umfangreiches Engagement in der Organisation und Lehre an der Universität Wien, wo Prof. Hartl seit mittlerweile über 20 Jahren den Lehrstuhl für Produktion und Logistik hält. Außerdem wurden seine außergewöhnliche Einsatzbereitschaft in der wissenschaftlichen Community, sowie seine Verdienste um die ÖGOR gewürdigt.

Der Höhepunkt der Veranstaltung war das Galadinner im ehemaligen Gebäude der Wiener Börse, wo sich knapp 100 Gäste zu Ehren des Geburtstags von Prof. Hartl einfanden. Dabei wurde der Jubilar mit einer Festschrift zu seinen Ehren (nicht ganz) überrascht. Das Buch, welches 26 Beiträge von insgesamt 67 Autoren enthält, wurde von Prof. Herbert Dawid (Universität Bielefeld), einem der Editoren der Festschrift und ehemaligen Mitarbeiter von Prof. Hartl, überreicht. Festreden hielten Prof. Stefan Minner (TU München) und Prof. Alexander Mehlmann (TU Wien), beides langjährige Weggefährten des Jubilars.

Ein weiteres Highlight des Workshops war der von der Stadt Wien geförderte Besuch eines typisch wienerischen Heurigen in Ottakring. Dort brachte Dr. Margaretha Gansterer die hohe Wertschätzung, die Prof. Hartl bei seinen Mitarbeitern innehat, zum Ausdruck. Bei für September ungewöhnlich warmen Wetter fand der Workshop einen gemütlichen Ausklang.

hartl4 hartl3 hartl2 hartl1

11. ÖGOR – IHS Workshop und ÖGOR-Arbeitskreis „Mathematische Ökonomie und Optimierung in der Energiewirtschaft“

Am 27. und 28. April 2016 fanden sich bis zu 80 Interessierte beim 11. ÖGOR – IHS Workshop und ÖGOR-Arbeitskreis „Mathematische Ökonomie und Optimierung in der Energiewirtschaft“ im neuen, Standort des Instituts für Höhere Studien im Palais Strozzi (Wien Josefstadt) ein. Sponsoren waren neben dem Institut für Höhere Studien erstmals die Energieallianz Austria (EAA).

Fast 80 TeilnehmerInnen aus der österreichischen und deutschen Energiewirtschaft, von e-Control, deutschen und österreichischen Universitäten sowie aus der Software-Industrie stellen einen neuen Teilnehmerrekord in dieser Veranstaltungsreihe dar.

Das Leitmotto „Markt und Physik“ war letztlich dem gesetzlich verordneten „Unbundling“ geschuldet: Eine Mehrzahl von uns bearbeiten den deregulierten Energiemarkt: Optimierung der Erzeugung, der Regelenergie oder Marktanalysen und Prognosen beschäftigen uns. Aber auch der regulierte Netzbetrieb bietet gerade in Zeiten der Energiewende spannende Fragestellungen. Die „Gegenseite“ zu kennen und ansatzweise zu verstehen ist nötig, denn die nichtlineare Physik der elektrischen Anlagen lässt sich nur mangelhaft durch (lineare) Marktregeln abbilden. So lauteten die Themengebiete der 12 Vorträge und einer Publikumsdiskussion

  • „Markt und Physik – eine Herausforderung” mit dem Leitvortrag von Dr. Hansjörg Hauer und vielfältigen Fachvorträgen von deutschen und österreichischen Experten.
  • „Flow Based Market Coupling” – das ist eine Art Annäherung der realen Lastflüsse durch das Regelwerk im internationalen Handel, mit vier Gastvortragenden aus Deutschland.
  • Regel- und Ausgleichsenergiemärkte: insgesamt 4 Vorträge von APG, IIASA und TU Wien (EEG) beleuchteten verschiedene Aspekte dieser noch jungen und nicht wirklich ausgereiften Materie.

Unter dem wissenschaftlichen Nachwuchs (bis 30 Jahren) wurde der von EAA gestiftete „Wolfgang Polasek-Gedächtnispreis“ für den besten Vortrag vergeben. Die Publikumswahl entschied Bettina Burgholzer (TU Wien-EEG) mit ihrem Vortrag über Modellierung der Vorhaltung und des Abrufs von Regelenergie.

Im Bild die Preisübergabe an Bettina Burgholzer durch den Gastgeber Leopold Sögner und Gerold Petritsch sowie die Vorjahrssiegerin Elke Moser.
Zwischen den Vorträgen und beim Heurigen am ersten Abend ergab sich reichlich Möglichkeit zum Gedankenaustausch zwischen Theoretikern und Praktikern der verschiedenen Fachrichtungen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Auditorium
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Preisverleihung an Bettina Burgholzer